Die Fachtagung von IDA-NRW, AJS NRW und dem Landesjugendring NRW in Kooperation mit den Landesjugendämtern Rheinland und Westfalen-Lippe am 29. April 2026 im Pulsschlag in Dortmund-Dorstfeld war mit knapp 100 Teilnehmenden ein voller Erfolg.
Im Fokus des Fachtages stand die zunehmenden Verschiebung gesellschaftlicher Diskurse: Rassistische, rechte und demokratiefeindliche Positionen werden immer häufiger als legitime Meinungen wahrgenommen und nehmen Einfluss auf Medien, Politik und den pädagogischen Alltag. Diese Normalisierung hat spürbare Folgen für Fachkräfte und besonders für junge Menschen, deren Lebensrealitäten, Zugehörigkeitsgefühle und Teilhabechancen davon betroffen sind. Kinder- und Jugendhilfe sowie formale und non-formale Bildungsarbeit stehen deshalb vor der Aufgabe, klar Haltung zu zeigen, Demokratie und Vielfalt erfahrbar zu machen und sich in komplexen Spannungsfeldern zwischen pädagogischem Auftrag, politischen Erwartungen und gesellschaftlichem Druck zu positionieren.
In ihrer Keynote „Sprache, Macht, Normalität – Wie Diskurse Wirklichkeit schaffen und Pädagogik herausfordern“ nahm Prof Dr. Derya Gür-Şeker (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) auf diese Entwicklungen Bezug. Prof. Gür-Şeker stellte dabei insbesondere die Relevanz des digitalen Raums und Social Media als Katalysator und Netzwerk in den Mittelpunkt. Sie gab Einblicke in die Wirkmächtigkeit von Sprache und die strategische Kommunikation von rechten Akteur_innen – Polarisierung, Emotionen und Normalisierung. Dem entgegen stellte Prof. Gür-Şeker Handlungsempfehlungen: Integration und Ausbau der Medien- und Demokratiekompetenz sowie die Entwicklung von Gegenstrategien. Die Keynote endete mit dem Aufruf, Demokratie aktiv zu leben und zu gestalten – auch im digitalen Raum!
In vier verschiedenen Workshops wurden im Anschluss Prozesse der gesellschaftlichen Normalisierung kritisch analysiert, praktische Erfahrungen ausgetauscht und Strategien des Widerstandes und der Ermächtigung entwickelt. Es wurde diskutiert, wie Kinder- und Jugendarbeit demokratische sowie rassismus- und antisemitismuskritische Bildungsräume sichern und ausbauen kann und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.
Workshop 1:
„Bestärkt für den Widerstand – Handlungsspielräume in rassismuskritischer Bildungsarbeit“
Isabell Marie Popescu, Trainerin für rassismuskritische Bildungsarbeit
Workshop 2:
„Institutionen in Bewegung – Struktureller Rassismus in der Kinder- und Jugendarbeit erkennen und verändern“
Jasmin Mouissi, Trainerin Rassismuskritik und Empowerment
Workshop 3:
„Normalität hinterfragen – Rassistische und antisemitische Diskurse in Alltag und Praxis erkennen“
Awa Yavari und Kiril Denisov, Bildungsstätte Anne Frank, Kooperationsverbund gegen Antisemitismus
Workshop 4:
„Digitale Räume, rechte Raumnahmen – Handlungsmöglichkeiten in Social Media und Gaming“
Hubeyb Yöntem, AJS NRW & Hassan Al-Said, Berater im Bereich Islamismusprävention
Abschließend diskutierten die Workshopleitenden auf dem Podium die Erkenntnisse aus dem Fachtag in Hinblick auf „Normalisierung, Widerstand, Empowerment: Pädagogische Praxis in Zeiten gesellschaftlicher Verschiebungen“.
Als Moderation begleitete Vatan Ukaj den Fachtag und die Spoken Word-Beiträge stammten von Hatice Şahin.
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